Rothweinsdorf

 

 

 

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   Geschichte:

 

Rothweinsdorf wird sich erst in der Neuzeit als Ortschaft profiliert haben.

Im Volksmund wird ein Platz, der nördlich des Ortes gelegen ist, als Schlossbiegl bezeichnet. Es sind von dieser Siedlung keine historischen Daten bekannt und leider ist diese Anlage heute bereits vollständig abgekommen.

 

Der Historiker und Topograph Franz Xaver Joseph Schweickhardt schrieb im Jahre 1839 in seiner "Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens [sic!]" folgendes über den Ort:

 

"Ein Dorf von 26 Häusern, mit der nächsten Poststation Göpfritz. Dasselbe gehört zur Pfarre und Schule Dietmannsdorf; ...

In 37 Familien leben 79 männliche, 75 weibliche Personen und 18 Schulkinder. Der Viehstand zählt 1 Pferd, 40 Ochsen, 30 Kühe, 71 Schafe, 32 Ziegen und 70 Schweine.

Die gut bestifteten Einwohner sind Landbauern, unter welchen 1 Mahlmüller, 1 Bretersäginhaber [sic!], 1 Hufschmied und 1 Gastwirt sich aufhalten. Die nur mittelmäßig ertragsfähigen Gründe werden nach den Grundsätzen der Dreifelderwirtschaft bearbeitet und produzieren Weizen, Korn, Gerste, Hafer, Erdäpfel, Hanf, Klee, Erbsen, Linsen und Bohnen.

Die Viehzucht, bei welcher jedoch die Stallfutterung nicht üblich ist, befindet sich im gedeihlichen Zustande und das hierortige Rindvieh gehört zu dem besten Landschlage.

Obst wächst wenig und reicht nur zum Hausbedarf hin.

Rothweinsdorf hat eine freie Lage und breitet sich flach in einer kleinen Vertiefung unweit des großen sogenannten Wild-Waldes aus und hat Sitzendorf, Messern und Dietmannsdorf zur nächsten Umgebung. ... Der Tafenbach treibt hier eine Mahl- und Sägemühle und enthält blos gemeine Fische und Krebse. - Die Jagd liefert Rebhühner, Rehe und Hasen. ... Klima und Wasser sind gut."

 

 

   Kulturgut:

 

 

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Die Ortskapelle ist ein schlichter Bau mit quadratischen Ost-Turm und Zwiebelhelm aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bei der Gestaltung des Altares wurde auf die Renaissance zurückgegriffen. Das Altarbild zeigt einen den vierzehn Nothelfer, den Hl. Veit. Im Volksraum weilt eine gekrönte Maria mit gekröntem Kind auf dem Arm, die sogar von etwa 1500 stammen könnte.

Am oberen Ortsanfang wurde 1969 im Zuge des Straßenbaues ein Tabernakelpfeiler aus Naturstein errichtet. Dieser sollte das Vorgängerdenkmal ersetzen.  

Richtung Dietmannsdorf steht auf einem Steinsockel ein Gusseisenkreuz mit Gusskorpus.

Nordöstlich von Rothweinsdorf finden sich auf einer Anhöhe – weithin sichtbar – drei gemauerte Rundpfeiler mit Pfostenlöchern. Bei diesen handelt es sich um die mittelalterliche Richtstätte, den Galgen.

Am Fuße des Galgenberges befindet sich das sagenumwobene Armenseelenkreuz. Das Kreuz ist an jener Stelle errichtet, wo im 19. Jahrhundert die Seele eines jungen Mädchens erlöst worden ist. Die Geschichte soll sich folgendermaßen zugetragen haben: Eine Frau aus Nondorf gebar ein uneheliches Kind und beschimpfte dieses mit einem Tiernamen. Somit hatte sie sich gegen das Ebenbild Gottes versündigt. Bald darauf starb die Mutter.

Später kam das Kind nach Messern zu einem Herrn in den Dienst. Dort wurde es immer wieder vom Geist ihrer Mutter heimgesucht, der sie bat etwas für deren Befreiung aus dem Fegefeuer zu tun. Nachdem der Dienstherr die Geisterunterredungen belauscht hatte, wurden sie allgemein bekannt. Als das Mädchen immer kraftloser wurde, bot sich der Pfarrer zur Befreiung der armen Seele an. Bittgänge wurden veranstaltet. Eine Prozession von Nondorf, die andere von Messern trafen an der Stelle des Armenseelenkreuzes zusammen. Bald erschien die Seele der Mutter dem Mädchen nicht mehr – die Seele der Mutter war erlöst.

 

 

 

Quellen:  Dehio, Niederösterreich nördlich der Donau, Wien 1990.

             G. Reichhalter, K. u. T. Kühtreiber, Burgen. Waldviertel und Wachau, St. Pölten 2001

              J. Rotter, Bildstockwanderungen im Poigreich und Umgebung, Winkl 2005.