Der Heilige Berthold auf Wildberg

 

Berthold, der Abt des Klosters Garsten an der Enns, war ein berühmter und heiliger Mann. Er wirkte viele Wunder zur Ehre Gottes und wanderte weit durch die Lande, um den Leuten den Glauben zu predigen und das Christentum zu festigen.

Eines Tages kam er auch in das Waldviertel, wo er zuerst den Grafen Ulrich von Pernegg besuchte und dann nach Westen weiterzog und nach Wildberg kam.

Gräfin Adelheid, die man vom Nahen des heiligen Mannes benachrichtigt hatte, empfing ihn mit großen Ehren. Sie hatte eine Tafel mit den besten Speisen und den edelsten Weinen decken lassen.

Abt Berthold, als er den reich gedeckten Tisch sah, rief sein ganzes Gefolge herbei und verteilte alles unter diesen Leuten, bei denen sich auch viele Arme befanden.

Für sich selbst verlangte er nur einen Becher Wasser. Die Gräfin befahl, vom Burgbrunnen Wasser zu holen und reichte davon dem Gottesmann. Abt Berthold trank und stellte dann den halbgeleerten Becher vor sich hin. Daraufhin bat die Gräfin, ebenfalls aus dem Becher trinken zu dürfen. Lächelnd überreichte ihr Berthold das Gefäß und sie machte einen Schluck. Wie erstaunt war sie aber, als sie erkannte, dass im Krug bester Wein war. Das Wasser hatte sich in Wein verwandelt. Alle wollten sich von dem Wunder überzeugen und der Becher ging ringsum. So kam er auch zu einem Blinden. Als dieser getrunken hatte, rief er aus: „Das ist des beste Wein, den Gott je hat wachsen lassen!“ Zur Erinnerung an diese Begebenheit taufte man den Brunnen im Schlosshof, aus dem das Wasser geschöpft worden war, Bertholdbrunnen.

 

Quelle: A. Kastner (Hg.), Waldviertler Heimatbuch, Zwettl 1994.